Wild Wild West

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Die letzten 2 Tage waren im Hinblick auf sehenswerte Dinge nicht ganz so spannend. Daher berichte ich ein bißchen mehr davon, wie es uns ergangen ist.
Zunächst haben wir in Fox Glacier noch eine trockene überdachte Nacht verbracht, während es draußen unermüdlich regnete und auch richtig kalt war. Puh, alles richtig gemacht. Der Wecker klingelte 6Uhr, um 8Uhr mussten wir Richtung Bushaltestelle aufbrechen. Leider erwischten wir eine der stärkeren Regenphasen und warteten bereits klatschnass auf den Busfahrer. Als dieser erschien, haben wir unabhängig voneinander den gleichen Gedanken gehabt: das kann nichts Gutes werden. Und so zeigte es sich. Sein Name ist David. Die extra Reservierung für die Bikes interpretierte David als “only 1 bike”, was bei einer Buchung für 2 Personen intellektuell nicht besonders hochwertig ist. Dies erklärte er mir ein halbes Dutzend mal. Der nächste Satz “I hate bicycles” machte dann alles klar und als er anfing, sich auch noch über unseren Hänger aufzuregen, war unsere Laune endgültig dahin. Wir haben alles echt extrem platzsparend verstaut. Manch normal Reisender hat mehr Koffer und Taschen dabei als wir inkl der Bikes… Nun gut. Der erste Stopp war in Franz Josef Glacier, 27km entfernt. Ein Dorf mit ein paar hundert Einwohnern, aber der Bus hielt an 3 (!) Stellen. Bis jetzt waren wir fast alleine im Bus und saßen im hinteren Teil, als eine indische Großfamilie zustieg. Sie zingelten uns direkt ein: 3 kleinere Kinder, 2 erwachsene Frauen, ein schmaler jüngerer Mann und ein dicker Mann. Der jüngere Mann wollte nicht bei den anderen Sitzen und ging weiter vor. Nach inzwischen 1h15 verließen wir das 27km entfernte Dorf Franz Josef Glacier. Die Tritte der Kinder in unsere Rückenlehnen begannen gepaart mit grausamem Jammern. Die Mutter lag mir im Ohr und redete permanent auf die Kinder ein, sodass es der ganze Bus hören konnte. Es wurden Brötchen und Colaflaschen hin- und hergereicht. Dann fiel der dicke Inder in einen tiefen, tiefen Schlaf und fing an zu schnarchen. Aber nicht einfach nur schnarchen, nein, es war das schrecklichste Schnarch-Grunz-Geräusch, was es geben kann. Während der ganze Bus schon komisch schaute und jeder so seine Scherze machte, schien es die eigene Familie in keinster Weise zu stören. Dies ging so weiter, bis wir endlich nach 4h und 160km den Bus in der Küstenstadt Hokitika verlassen konnten. Völlig genervt wollten wir dann wenigstens in das National Kiwi Center gehen und uns Kiwis angucken. Von außen machte es eher den Eindruck wie eine herunter gekommene Bar. Nachdem wir 37$, also etwa 23€ für 2 Personen gelöhnt haben, bestätigte sich der Eindruck leider auch innen. Es gab komischerweise fast nur Fische und sonstiges Meeresgetier in schmuddeligen Behausungen zu sehen. Außerdem ein Basin Riesenaale. Das hat mich so angeekelt, dass ich direkt zu den Kiwis, ganze 2 Stück, gegangen bin. Karsten hat noch bei der Fütterung der Riesenaale zugeschaut. Die Kiwis hausten nicht weniger schmuddelig hinter verschmierten Scheiben. Irgendwann zeigte sich dann eines der beiden Tierchen aufgrund einer Hungerattacke. Da die Kiwis wohl nachtaktiv sind, war es dunkel und man konnte meist nur ein noch dunkleres Wollknäul erkennen. Aber immerhin. Insgesamt verteile ich dem National Kiwi Center die Note mangelhaft, echt schade ums Geld.
Nach dieser weniger tollen ersten Tageshälfte suchten wir uns eine Bakery, um einen Happen zu essen und erstmal runter zu kommen. Die Wahl war sehr gut. Die Bäckerin war ganz aufgeregt, was wir alles bestellten und brachte noch ganz freundlich die 2 Cappus an unseren Fensterplatz. Die Laune stieg, das Wetter hatte sich auch zu Sonnenschein gewandt und wir konnten die zweite Tageshälfte nutzen, um von Hokitika immer entlang der Küste bis Greymouth zu radeln. Rechts und links der Straße blühten Hortensienbüsche in Blau und Lila wie Wildwuchs und die Vorgärten waren hier doch wesentlich hübscher gestaltet. Die Straßen war ganz ok, hatte meist einen Seitenstreifen für uns parat und wir kamen schnell voran. Etwa bei halber Strecke bogen wir nach links in einen Schotterweg, ein Geheimtipp der Bäckerin. Wir erreichten ein Stück wilden Strand, ganz nett, und machten ein paar Fotos. Danach erreichten wir die Stadt Greymouth, größte Stadt an der Westküste der Südinsel. Wir bezogen eine Standard Cabin, also einen Raum mit Bett, da es arg nach Regen aussah. Danach machten wir uns mit den Rädern ins Town Center auf. Irgendwie komisch hier, nix los, nix hübsch, einfach nur eine funktionale Stadt. Wir wählten einen Supermarkt, kauften fleißig ein und fuhren dann tatsächlich im Regen zurück zum Zeltplatz. Wieder alles richtig gemacht. Die Stadt lag in einem einzigen Grau aus Regen, Wolken und Gebäuden – wie der Name eben sagt. Abends schlenderten wir noch kurz zum Strand, auch eher Wild und steinig.
Am nächsten Tag radelten wir bei Niesel los. Daraus wurde dann Regen, wieder Niesel, usw. Die eigentlich schöne Küstenstraße bis nach Punakaiki zu den Pancake Ricks konnten wir gar nicht genießen. Glücklicherweise war es relativ mild, sodass man zwischen “nass von innen” oder “nass von außen” wählen konnte. Karsten nahm ersteres, ich zweiteres. Training bei Regen zahlt sich doch manchmal aus – war doch alles nur halb so wild. Den einzigen Schnappschuss auf der ansonsten echt wunderschönen Strecke bekam ein Pinguin-Schild. Kurz vor Ankunft der heutigen kurzen Etappe (50km) brachen die Wolken auf. Sonne! Mangel Verfügbarkeit mussten wir das Zelt aufschlagen, aber das Wetter wurde immer besser. Nach dem Duschen und Wäsche waschen und trocknen gingen wir zu Fuß die Küste ein Stück zurück und aßen im Pancake Rock Café neuseeländische Pancakes mit Fruchtsalat. Lecker! Danach schlenderten wir zu den Pancake Rocks. Diese erhielten ihren Namen, da sie aussehen wie übereinander gestapelte Pancakes. Leider war gerade maximale Ebbe, die Wellen knallten nicht so besonders doll gegen die Felsen. Wir spazieren zurück, gehen in der gemütlichen Taverne nahe des Zeltplatzes etwas essen und beobachten danach am felsigen Strand den Sonnenuntergang. Die raue See donnert mit unvorstellbaren Kräften nun an den Strand. Es donnert fast, so mächtig ist das Wasser hier.

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